Religion zurück  
 
Portrait
    Sören Kierkegaard

    Der Existenzialist
    1813 - 1855





Sein Leben Seine Philosophie Sein Nachwirken Download





  • Sören Kierkegaard ist 1813 in Kopenhagen als siebentes Kind eines wohlhabenden Kaufmanns geboren worden.


  • Mit 17 besuchte er die Universität in Kopenhagen und legte 10 Jahre später sein theologisches Ex-amen ab. Darauf folgte eine Promotion.


  • Seine Mutter und fünf seiner Geschwister starben innerhalb weniger Jahre. Diese Ereignisse stürzte seinen Vater in eine tiefe religiöse Verzweiflung. Denn er war davon überzeugt, daß diese eine Strafe Gottes seien für eine in frühen Jahren begangene Auflehnung gegen Gott. Leider zer-brach daran im Gegensatz zu Hiob der Glaube des Vaters. Seine Verzweiflung und Melancholie färbten die frühen Jahre Sören Kierkegaards.


  • 1838 starb sein Vater, der die dominierende Gestalt in Sören Kierkegaard Seelenleben war und blieb, und hinterließ ihm ein beachtliches Vermögen, welches Sören Kierkegaard weder vermehr-te, noch erhielt, sondern, immer noch im Hause seines Vaters lebend, nach und nach für sich selbst verbrauchte.


  • 1840 verlobte er sich mit der 17jährigen Regine Olsen. Ein Jahr später jedoch löste er das Verlöb-nis ohne einen äußeren Grund wieder auf und reiste für weitere Studien nach Berlin. Es gab je-doch sehr wohl einen inneren Grund: Ein in ihm schwelender Kampf, der ihn fast vernichtet hät-te, brachte ihn zu der Überzeugung a) auf Liebe und Ehe verzichten zu müssen und b) folgende Aufgabe, die ihm alleine unter Millionen von Menschen auferlegt war, erfüllen zu müssen: Als einer von zwei oder drei Ausnahmemenschen in jeder Generation, ‚in schrecklichen Leiden ent-decken zu sollen, was den anderen zugute kommt'.


  • Sein Vermögen verbraucht er in den Jahren, um davon zu leben (und das nicht schlecht) und seine Schriften davon drucken zu lassen. Folgende Schriften sind darunter:
      1. 1843 - "Entweder - Oder. Ein Lebensfragment, herausgegeben von Victor Eremita"
      2. 1844 - "Der Begriff Angst" (von Vigilius Haufniensis) und "Furcht und Zittern" (von Johannes de Silentio)
      3. 1845 - "Stadien auf dem Lebensweg" (von Hilarius Buchbinder)
      4. 1846 - "Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift zu den Philosophischen Brocken" (von Johannes Climaeus)
      5. 1848 - Religiöse Druckschriften unter seinem eigenen Namen veröffentlicht
      6. 1849 - "Krankheit zum Tode"
      7. 1850 - "Einübung im Christentum"


  • Wie sich zeigt, gebrauchte Kierkegaard Pseudonyme für die meisten seiner Werke. Dies hat na-türlich mit seiner Philosophie zu tun und führt direkt in dessen Zentrum (s. u. 2). Soviel sei noch gesagt, daß nämlich die Masken, die sich Kierkegaard aufsetzte, mehrere Funktionen hatten. So versuchte er die Trennung von seiner Verlobten dadurch zu erleichtern, daß er ihr Glauben ma-chen wollte, ein leichtfertiger und nichtsnutziger Mensch zu sein. Auch die Funktion des Schutz-schildes hing an den Masken. Er weigerte sich z.B., auf Einwände, welche die Bücher und somit den "Pseudonym - Verfasser" betrafen, einzugehen (Der Grund dafür liegt wiederum in seiner Philosophie). Trotz diesem äußerlich so ereignisarmen und scheinbar allem Verbindlichen aus-weichenden Dasein fand in ihm selbst ein Leben dramatischen und verzweifelten Kampfes und unerbittlichen Ernstes statt und führte so (in seiner bewußten Täuschung der Umwelt) zu einem Leben äußerster Konzentration und in Folge zu dem Hervorbringen eines gewaltigen Lebenswer-kes.


  • 1855 im Alter von 42 Jahren, auf der Höhe seines geistigen Kampfes, brach er auf der Straße zu-sammen und stirbt kurz darauf. Zu dieser Zeit war sein Vermögen gerade aufgebraucht, so daß er nicht mehr die ihm bereits vor Augen gestandene Armut erleben mußte.








1. Anknüpfend an I.
  • Seine Promotion zum Magister artium bekam er auf Grund seiner Disposition mit dem Thema "Über den Begriff der Ironie mit beständiger Hinsicht auf Sokrates". Zwei ineinander verschlun-gene Grundzüge seines Denkens werden schon hier sichtbar: a) das Sokratische und b) die Ironie.


  • Kierkegaards Bedienen von Masken ist von seiner Philosophie her bestimmt.





2. Weiterführend
  • "Dabei bleibt der (christl.-)religiöse Gesichtspunkt seines Schaffens, der auf dem biographischen Hintergrund eigener Glaubenskämpfe zu sehen ist, immer maßgebend." (dtv- Atlas, S.163)


2.1 Hans Joachim Störig
Störig, Hans Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie, Frankfurt am Main, 1995.

2.1.1 Kierkegaards Anthropologie (als ersten Pol seines Denkens)
  • Von ihm geprägt "Dialektische Lyrik". Da Kierkegaard keine allgemeinen, etwa ethische, Probleme behandelt, kann er nur vom einzelnen, bestimmten Fall zwischen einzelnen, bestimmten Personen sprechen, wie ein Dichter. --> Er ist also "Denker und Dichter".


  • Fast die ganze Philosophie vor ihm hat ja dies gemeinsam, daß sie großen, allgemeinen Fragen nachgeht.


  • Nach Kant ist es sogar das Wesen des Ethischen, daß seine Prinzipien allgemeine, "kategorische" Geltung beanspruchen können.


  • Der Einzelne könne, so meinte man, in seiner jeweiligen Situation seine Einzelfragen aus den einmal gefundene allgemeinen Prinzipien wie von selbst ergeben.


  • Kierkegaard denkt anders: "Soll ich, dieser bestimmte Mensch in dieser augenblicklichen bestimmten Lage, dies oder jenes tun?" ist eine "praktische Einzelfrage" und damit ein "existentielles Problem, auf das die Philosophie gerichtet sein muß, wenn sie sinnvoll sein soll: ‚Während das objektive Denken gegen das Subjekt und dessen Existenz gleichgültig ist, ist der subjektive Denker als existierender an seinem Denken interessiert, er existiert ja darin' ... ‚ Nur das Erkennen, das sich wesentlich zur Existenz verhält, ist wesentliches Erkennen.'


  • Dabei ist Existenz = innerster, unfaßbarer, personaler Kern des Einzelmenschen; das Selbst.


  • Das Selbst ist aber = ‚ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält, oder das an dem Ver-hältnis, daß das Verhältnis sich zu sich selbst verhält.'


  • Das Selbstsein des Menschen ist = ein Prozeß, als eine Folge der Momente, in denen er jeweils die Synthese aus Unendlichkeit und Endlichkeit vollzieht, welche der erfüllte Augenblick darstellt.


  • --> D.h., der Mensch ist zutiefst geschichtlich, die Zeitlichkeit des Selbst bis zu seinem eigenen Tod ist sein konstituierendes Element.





2.2 dtv- Atlas
dtv-Atlas: Philosphie, 7. Auflage, München, 1998.


2.2.1 Die konkreten Existenzbedingungen
  • Kierkegaards Ausgangsfrage: Wie komme ich als existierendes Subjekt in ein Verhältnis zu Gott?


  • Dazu müssen die Existenzbedingungen geklärt sein, d.h.‚ mich selbst in Existenz zu verstehen' (gg. den Typus des ‚abstrakten Denkers': Da der abstrakte Denker immer auch selbst eine konkrete Existenz ist, wird er zu einer ‚komischen Figur', wenn er sich diese Grundlage seines Daseins und Denkens nicht eingestehen will.


  • --> führt zum "subjektiv-werden": ‚..daß das Erkennen sich zu dem Erkennenden verhält, der wesentlich ein Existierender ist', denn ‚die einzige Wirklichkeit, um die ein Existierender nicht bloß weiß, ist seine eigene Wirklichkeit, daß er da ist; und diese Wirklichkeit ist sein absolutes Interesse'.


  • --> Menschliche Existenz = Zentrum


  • --> Frage: Was ist der Mensch?


  • Der Mensch ist eine Synthese von Unendlichkeit und Endlichkeit etc.


  • Eine Synthese ist ein Verhältnis zwischen Zweien.


  • Damit ist er aber noch kein Selbst, denn ‚Das Selbst ist ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält, oder ist das am Verhältnis, daß das Verhältnis sich zu sich selbst verhält.'


  • Der Mensch erwirbt sein Selbst erst dadurch, daß er sich bewußt zu der Synthese seines Seins verhält.


  • --> Das Selbstsein ist dem Menschen also nicht einfach gegeben, sondern Aufgabe, deren Verwirklichung seiner Freiheit aufgegeben ist.


  • --> Möglichkeit des Mißverhältnisses zwischen dem Menschen zu seiner Synthese (also zu seinem Selbst)
    --> verfehlt so bewußt oder unbewußt sein Selbst = Verzweiflung


  • --> Gott schuf den Menschen als Synthese, d.h., daß der Mensch mit dem obigen Mißverhältnis vor Gott steht.


  • --> Sünde = "Vor Gott nicht man selbst sein zu wollen".





2.1.2 Der christliche Glaube (als zweiter Pol seines Denkens)
  • Kierkegaard wollte durch einiges (z.B. das Aufzeigen ursprünglicher, überlieferter Lebensweisen wie das ästhetische Genießen) bewirken, daß die Menschen jenseits der Menge wieder zu Einzelnen werden, aber nicht zu Einzelnen für sich, sondern zu ‚Einzelnen vor Gott'.


  • Kierkegaard klagt vor allem die "laue, bürgerliche, äußerliche Kirchlichkeit an. (Was hat der Glaube, daß Gott in Jesus Christus Mensch geworden und in der Welt erschienen ist, was hat dieser Glaube, der dem Verstand ewig paradox, ja absurd erscheinen muß, der uns nur geschenkt werden kann als eine Gnade von oben her" mit dieser frommen Scheinheiligkeit zu tun?


  • --> Nennt dies Unredlichkeit. Diese will er bis zu seinem Lebensende bekämpfen. "Er wagt noch nicht einmal zu behaupten, daß er für das Christentum kämpfe oder daß er selber ein Christ ist. Das Christentum steht ihm so hoch, daß er es nicht wagt, sich einen Wahrheitszeugen oder gar einen Märtyrer zu nennen."


  • ‚Ich darf mich nicht einen Christen nennen, aber Redlichkeit will ich, und zu dem Ende will ich wagen.' In dieser Überzeugung - er, der ewig grübelnde Zweifler, war gewiß, wenigstens in diesem Kampfe Gottes Willen zu tun - ist er gestorben.


  • Die Ärzte konnten keine Krankheit feststellen.


2.2.2 Der Weg des Einzelnen zum Glauben
  • Diesen Weg beschreibt Kierkegaard anhand drei verschiedener Stadien:


  • Das Ästhetische Stadium


  • Mensch lebt in der Unmittelbarkeit, d.h., er hat sich noch nicht als Selbst gewählt. Er lebt im und vom Äußerlichen und Sinnlichen, nach der Devise: ‚Man soll das Leben genießen".


  • --> Da er aber in der Verwirklichung dieser Lebensform vom Äußerlichen, d.h. von dem, was nicht in seiner Macht steht, abhängig ist, zeigt sich die uneingestandene Grundstimmung des ästhetischen Daseins als Verzweiflung darüber, daß ihm die Bedingungen genommen werden können.


  • Das Ethische Stadium


  • Wenn der Einzelne sich in seiner Verzweiflung selbst wählt, kommt er in das ethische Stadium. Die eth. Existenz hat sich als Selbstsein gewählt und damit die Unabhängigkeit vom Äußerlichen gewonnen, sie ist Subjekt von Entscheidungen, das Leben erhält Ernst und Kontinuität.


  • Aber auch dieses Stadium vermag sich nicht zu vollenden. Denn in der Möglichkeit der Schuld erkennt der Ethiker, daß er nicht im Besitz der Bedingungen ist, ethisch ideal zu leben, weil er unter der Sünde steht.


  • Religiöses Stadium


  • Der Mensch, der sich als Sünder erkennt, begreift, daß er im christlichen Verständnis nicht sich allein aus der Sünde befreien kann, weil allein Gott die Bedingung der Wahrheit geben kann:


  • Inhalt des Glaubens ist das Paradox, daß das Ewige in die Zeit gekommen ist, d.h. der Gott Mensch geworden ist.


  • Da aber der Gott zu den Menschen kommen mußte, um ihnen die Wahrheit zu geben, vermag der Mensch nun nicht von sich aus zur Wahrheit zu gelangen, sondern er muß vom Gott die Bedingung erhalten. Im Glauben gründet sich der Mensch vorbehaltlos in Gott.


3. Graphiken

3.1 Das Selbst



3.2 Stadien der Existenz




  • Kierkegaard war geistlich bei Hegel (als sein Stein des Anstoßes), Kant, Schelling, Fichte, in der Theologie Luthers und in der deutschen Dichtung zu Hause.


  • Erst gegen 1890 gab es zunächst in Deutschland übersetzte Schriften von ihm. Ab 1909 gab es eine erste Gesamtausgabe von Kierkegaard Werken. Ab dieser Zeit strahlte das Werk Kierkegaards für die "Neuentdecker" anderer Länder große Bedeutung von sich aus. Seit den 20er Jahren begegnet sein Name auch in England, Frankreich und Amerika.


  • So gründet sich z.B. die dialektische Theologie hpt. auf Kierkegaard, vertreten durch
      - Karl Barth (1886-1968),
      - Friedrich Gogarten (1887-1967) und
      - Rudolf Bultmann (1884-1976)
        [s. dazu bes. Karl Barths Schrift "Der Römerbrief" von 1924]


  • Von Gabriel Marcel bis Albert Camus, in der modernen Kunst, in der Lyrik waren ohne Kierke-gaard nicht denkbar. So auch von seiner religiösen Existenz entkleidet und in einen klaren Athe-ismus gehüllt bei Sartre anzutreffen.


  • Selbstverständlich gibt es Verfechter und Verwerfer Kierkegaards Philosophie in gleichem Maße. So kann eine zu starke Reflexion bzw. Sicht auf die eigene Existenz Einengung und Einseitigkeit bedeuten.




Daniel Ahrnke    



     DOWNLOAD dieser Arbeit
ZIP-Datei DOC-Dokument




Diese Seite ist optimiert für Netscape 6.x/ IE 5.x und für eine Auflösung von 1024x768 Pixel.

[Inhalte]
Alle Rechte liegen bei dem/ der jeweiligen Autor/-in bzw. den Autoren/ Autorinnen.

[Design / Konzeption / Gestaltung / Idee]
©    C o p y r i g h t    2001    by    Daniel Ahrnke    (DANEWS)
All rights reserved


Mehr zum Thema Recht unter "Kommunikation und Information".
Sollten Sie rechtliche Unstimmigkeiten gefunden oder Fragen bezüglich des Copyrights von DANEWS haben, kontaktieren Sie bitte DANEWS!